Durchgangsstation Bekokten/Bărcut

Heute Abend werden wir seit einer Woche in Bekokten sein. Die Woche war wie erwartet sehr anstrengend. Auch unsere Kinder sind noch sehr müde. Gleichzeitig gefällt es ihnen in der neuen Schule und Kindergarten sehr gut. Am Freitag haben sie es sogar sehr bedauert, dass das Wochenende ansteht. Das freut uns sehr!

Inzwischen sind eine größere Anzahl an geflüchteten Menschen hier angekommen. Zu Beginn waren 14 Ukrainer hier. Am Freitag Abend sind 27 angekommen, Am Samstag weitere drei. Gestern Abend sind 13 Personen abgereist, für die eine Unterkunft in Deutschland organisiert werden konnte. Es war recht berührend, da eine Woche gemeinsamen Lebens und Anspannung viele gemeinsame Erlebnisse geschaffen hat. Heute Abend sind reist die nächste Gruppe ab, und es kommen weitere 12 an.

Während die Menschen hier sind, sind Chris und ich Ansprechpartner für viele Anliegen. Gleichzeitig versuchen wir, einen strukturierten Tagesablauf zu bieten mit Kinderprogramm, Spazieren, Spielen, Malen und für die Erwachsenen etwas Deutschunterricht.

Wir wünschen allen eine gute Woche und danken für die bereits eingegangenen Spenden! (Es wird jedoch noch einiges gebraucht werden.)

Michael und Christiane Schöll

PS: Die Auswahl der Bilder ist stark eingeschränkt, da wir keine Gesichter der uns anvertrauten Menschen zeigen wollen.

Speisesaal
Das Allernötigste
Spaziergang zum Minizoo
Der „Zoowärter“ mit der Hauptattraktion
Karaoke am Samstag (4. Geburtstag unseres Sohnes David)

Hilfe für Ukraine

(Leider noch ohne Bild…) Gerne würde ich hier jetzt schreiben, dass der Winter sich in jeder Hinsicht zu ende neigt und wir mit unserem normalen wöchentlichen Programm angefangen haben. Auch wenn das zwar tatsächlich so ist, sind unsere Aktivitäten vor allem durch den Krieg in der Ukraine geprägt. Letzte Woche haben wir zusammen mit anderen mit zwei Bussen ukrainische Frauen mit ihren Kindern von der Grenze abgeholt. Sie sind inzwischen in Deutschland angekommen. Seit gestern Abend sind wir als ganze Familie in ein Dorf in der Nähe gezogen, in dem es viele Unterkunftsmöglichkeiten für geflüchtete Menschen gibt. Wir werden hier regelmäßige Angebote für die vielen Kinder und Jugendlichen machen, um ihnen nach tagelanger Flucht einige möglichst normale Tage zu ermöglichen, bevor es dann weiter geht.

Soeben haben wir vom Finanzamt die Bestätigung bekommen, dass wir für diese Arbeit auch über unseren Verein Spenden sammeln und dafür eine Zuwendungsbestätigung ausstellen dürfen. Wir werden das Geld an die evangelische Kirchengemeinde aus Făgăraș oder/und die Diakonia Făgăraș weiterleiten, sowie unsere eigenen Aktivitäten in diesem Zusammenhang bezahlen. In der Zukunft unterstützen wir vielleicht dann auch noch andere Arbeiten/Organisationen für die Arbeit mit Flüchtlingen oder akuten Notlagen. Mit den beiden genannten Organisationen haben wir bereits oft zusammengearbeitet. Aus den weitergeleiteten Spenden werden aktuell die Abholung von der Grenze, Unterkunft und Verpflegung in unserer Umgebung, sowie die weitere Reise finanziert. Sollte sich der Konflikt ausweiten, würden wir die Spenden auch für die darunter leidenden verwenden.

Wer uns spenden möchte, darf dies gerne tun. Bitte unbedingt bei der Spende die eigenen Daten (Name, Adresse) sowie den Spendenzweck „Hilfe für geflüchtete Menschen“ angeben oder nachreichen! (Ohne Spendenzweck fließt die Spende in unsere Kinder- und Jugendarbeit.) Vielen Dank bereits jetzt!

  • IBAN: DE77 6039 0000 0517 1480 05
  • BIC: GENODES1BBV

In der nächsten Zeit sind wir telefonisch nicht zuverlässig unter der üblichen Nummer zu erreichen, sondern unter 0040 7361 80 306.

Stiintescu


Fondul Științescu finanțează proiecte care pot ajuta copiii să își dezvolte pasiunea pentru știință. [„Der Fond Stiintescu finanziert Projekte, die Kindern (und Jugendlichen) helfen können, eine Leidenschaft für Naturwissenschaften zu entwickeln“]

Michael hat ein Projekt für die Jugendlichen aus Leblang und Cobor beantragt. Darin wollen wir gemeinsam mit den Jugendlichen verborgene Welten erkunden, die man mit bloßem Auge nicht sehen kann: Mit einem Teleskop erkunden wir den Weltraum und mit 10 Mikroskopen erforschen wir, was es in einem Wassertropfen oder einer Zwiebelschale zu entdecken gibt. Das Projekt wurde genehmigt und Michael hat nun bereits die Mikroskope und das Teleskop gekauft und mit den Jugendlichen einen Ausflug nach Kronstadt gemacht. Sie haben dort das Museum für Naturwissenschaften und das Planetarium besucht.

Im Planetarium
Im naturwissenschaftlichen Museum

Jetzt warten wir auf gutes Wetter, für einen klaren Sternenhimmel. Die Mikroskope und einige Präparate von Michael stehen schon zum Arbeiten bereit.

Eulen in Leblang

Gestern (23.9.2021) waren Anne und ich in Leblang und haben uns mit den Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter getroffen. Es war ein recht gemischter Nachmittag und damit ziemlich typisch für das Programm in Leblang:

Ein paar Fakten: Es waren insgesamt 17 Kinder da. Sie kamen alle aus der sogenannten „Ziganie“ einem separaten Ortsteil von Leblang, in dem sehr arme Familien wohnen. Die Kinder waren im Alter zwischen 4 und 13 Jahren. Einige der schulpflichtigen Kindern gehen nur sehr unregelmäßig in die Schule.

Ablauf: In Leblang und in Cobor versuchen wir immer nach einem festen Ablauf vorzugehen, der sich bewährt hat.

  1. Am Anfang begrüßen wir uns und singen ein paar Lieder. Seit neuestem zählen wir immer gemeinsam durch, wieviele wir sind. Damit die Kinder eine bessere Vorstellung von Zahlen bekommen.
  2. Dann lesen wir eine Geschichte vor (aus einem der Bücher unserer Bibliothek. Dieses Mal ging es um drei Eulenküken, die nachts aufwachen und merken, dass die Mutter nicht da ist. Sie machen sich Gedanken, was sie wohl gerade macht und wann sie wohl wieder kommt…
  3. Wir basteln etwas. Dieses Mal, die Eulen, die oben zu sehen sind.
  4. Oft spielen wir zum Abschluss noch ein Spiel („Feuer, Wasser, Sturm“ ist sehr beliebt) Und dann singen wir unser Abschlusslied und schicken die Kinder nach Hause. Manche helfen uns immer noch gerne beim Aufräumen.

Einige Einblicke:

  • Dieses Mal war das Ende anders, weil wir gehört hatten, dass es vielen Kindern an Dingen für die Schule mangelt. Eine Familie hatte uns zum Beispiel gesagt, sie könnten ihre Kinder noch nicht in die Schule schicken, weil sie keine Schultaschen hätten. Anne hat dann Spenden aus Fogarasch organisiert (Tachen, Mäppchen, Wasserfarbkästen und ähnliches). Diese haben wir am Ende ausgeteilt. Wie zu erwarten gab es Streit und Missmut, weil nicht alle genau das Gleiche bekommen haben und es war wie immer sehr schwer herauszufinden, wer wirklich etwas benötigt und wer nicht. Wir kamen wieder einmal zu dem Ergebnis, dass es gut ist, dass wir nur selten Dinge austeilen (-;
  • Gestern waren die Kinder verhältnismäßig unruhig. Nur beim Basteln ging es sehr gut. Das gefällt den Kindern sehr, jeder kann in seinem eigenen Tempo arbeiten und alle sind beschäftigt. Die Kinder am Ende wieder zu sammeln ist immer besonders schwierig. Als wir endlich alle wieder Stuhlkreis hatten, ist etwas passiert, was ich auch schon in Cobor erlebt habe und was auch schon früher manchmal passiert ist: Ein kleiner Junge hat seiner Nebensitzerin ins Gesicht gespuckt. Sie war sicherlich nicht unbeteiligt an seinem Ärger, aber gesehen habe ich halt nur ihn. Was jetzt tun? Wäre der Junge älter gewesen, hätte ich ihn wohl nach Hause geschickt. So habe ich ihm gesagt, dass er den Stuhlkreis verlassen soll und in die Ecke stehen muss (pädagogisch nicht so besonders wertvoll, aber spontan habe ich keine bessere Lösung gefunden). Dann habe ich den Kindern gesagt, dass solche Dinge hier nicht vorkommen sollen, genauso wenig wie Schlagen zum Beispiel. Dann habe ich noch gefragt, ob sie denn auf die Idee kommen würden in der Schule zu spucken. Und alle mit Entrüstung: „Nein natürlich nicht“. „Aha“, habe ich gesagt, „und hier wollen wir das auch nicht.“ Dann sagte einer der älteren Kinder: „In der Schule werden wir an den Ohren gezogen, wenn wir spucken.“ So viel zu, „wir spucken in der Schule nicht“ und zu den pädagogischen Methoden, die hier auf dem Land verwendet werden.

Trailer: Cobor 2020

Das Jahr 2020 war in vielerlei Hinsicht nicht gerade das beste Jahr… Trotzdem konnten wir den Kindern in Cobor in den meisten Monaten ein schönes Programm bieten. Hier der Trailer für die in den kommenden Tagen veröffentlichten Bilder und Videos: