Bericht – Zirkusfreizeit

Ende August fand in Cobor eine Zirkusfreizeit für die größeren Kinder aus Cobor und Leblang statt. Unter der Anleitung der beiden Zirkuspädagogen Nele und Benny lernten die Kinder zum Beispiel das Diabolo, verschiedene Akrobatikfiguren oder das „Rola Bola“, bei dem es darum geht, auf einer Rolle mit Brett das Gleichgewicht zu halten.

Die Tage begannen jeweils mit einem gemeinsamen Kreis, Spielen zum Aufwärmen und anschließend wechselnden Workshops. Mal wurde jongliert, mal akrobatische Pyramiden gebaut, mal Geländespiele gespielt. So konnte jede*r Neues ausprobieren. Dazwischen gab es Pausen, gemeinsames Essen und viel Zeit für Volleyball, Fußball oder UNO. Am Abend versammelten sich alle am Lagerfeuer und ließen den Tag in einer Abschlussrunde mit einem Abschlusslied ausklingen.

Wir hatten Glück, dass wir am Freitag in einer Scheune in Viscri den Kindern eine Aufführung ermöglichen konnten. Rund 40 Zuschauer*innen aus Viscri und den umliegenden Dörfern konnten sehen was die Kinder in vier Tagen gelernt hatten.

Ein besonderer Moment war Andreis Auftritt mit dem Diabolo. Er hatte es in nur einer Woche gelernt und strahlte während seiner Vorführung übers ganze Gesicht. 

Zurück im Alltag

Nachdem die langen Sommerferien vorbei sind, die Schule wieder begonnen hat, und auch ich schon einen Monat hier bin ( Ende September verfasst), entsteht wieder ein Alltag. Ein typischer Montag in Leblang kann in etwa so aussehen: Nachdem wir das alte Schulgebäude parat gemacht haben werden die Kinder von zuhause abgeholt. Die meisten sind Roma und leben etwas abseits des Dorfes in einer Siedlung. Am Anfang der Siedlung steht ein Brunnen und spätestens dort trifft man schon die ersten Kinder, die einen freundlich begrüßen. Innerhalb weniger Minuten sind dann einige Kinder zusammengekommen und freuen sich auf das Programm. Für die kleineren Kinder machen wir oft eine Bastelstunde. Wir beginnen mit einem Kreis, singen und stellen das heutige Bastelstück vor. Dann sind die Kinder an der Reihe es selber auszuprobieren. Manche brauchen ein wenig Unterstützung, manche sind schneller fertig und spielen dann gerne Lego. In einem Abschlusskreis singen wir dann noch, bevor wir die Kinder wieder nach Hause bringen. Wenn das Wetter es zulässt, gehen wir dann mit den etwas größeren Kindern auf eine Wiese und spielen dort Fußball. Roxy ist eine der wenigen Mädchen, die da gerne mitgeht. Hoffentlich ermutigt das in Zukunft auch andere Mädchen mitzuspielen.

Sankt Martin

In der Woche vor St. Martin haben wir in Cobor gemeinsam mit sieben Kindern bunte Laternen aus alten Tetrapaks und buntem Papier gebastelt. Die Kinder waren mit viel Geduld und noch mehr Kreativität dabei. Natürlich bastelt man nicht ohne Anlass Laternen – in Cobor gibt es weder Umzug noch Martinsfest. Dafür gibt es jedes Jahr in Reps, einer Kleinstadt ca. 30 Minuten von Cobor, ein Martinsfest. 

Am Martinstag habe ich die Gruppe am kleinen Dorfladen eingesammelt, und schon die Fahrt nach Reps war für die Kinder ein kleiner Ausflug aus dem Alltag. Dort angekommen schlossen wir uns dem Martinsumzug an. Die Atmosphäre aufsaugend versuchten die Kinder die deutschen Lieder mitzusingen. Sankt Martin wird in Rumänien nämlich ausschließlich von deutschen Gemeinden gefeiert. Auch wenn sie die Worte nicht verstehen konnten, war mitzusummen völlig ausreichend. 

Als der Umzug endete, war es bereits spät, und wir machten uns wieder auf den Weg nach Cobor. Trotz der Müdigkeit war deutlich spürbar, wie wichtig solche Erlebnisse für die Kinder sind. Gleich am Tag danach, fragte mich Ionuț, wann wir wieder einen Ausflug machen würden. 

Vorstellung als Freiwilliger 

Hallo, ich heiße Matti, bin 18 Jahre alt, und komme aus Karlsruhe. Ich spiele in meiner Freizeit gerne Fußball. Zu meinen großen Interessen gehören Politik, Geschichte und Musik und was die drei Dinge miteinander verbindet. Im Sommer 2024 habe ich die Schule verlassen und danach als Barmann in einem Theater gearbeitet. Meine Erfahrungen in der Kinder- und Jugendarbeit habe ich bei den Pfadfindern so wie als Jugendtrainer beim Fußball gemacht. Den viel bedeutenderen Teil meiner Erfahrungen habe ich aber, so wie die Kinde in Cobor und Leblang, in der Rolle des Teilnehmers gemacht. Ich habe sowohl bei den Pfadfindern, als auch beim Fußball, obwohl man beiden Milieus zunächst wenige Schnittmengen nachsagt, die gleichen Dinge schätzen gelernt. Über die Nähe zur Natur und über den Spaß am Sport sind Gemeinschaft und Solidarität wahnsinnig wichtig. Das erlebt man bei den Pfadfindern und beim Fußball auf unterschiedliche Weise. Ein paar Dinge dürfen klar sein: ein Lager baut sich nicht von alleine auf, Fußball ist ein Teamsport. Aber mit am deutlichsten wurde mir das erst neulich klar. Bei meinem Fußballverein haben Spieler und Trainer der Jugendmannschaften und der Herrenmannschaft gemeinsam am Bau eines Kunstrasenplatzes gearbeitet. Wir haben auf vielen Schultern mehrere Tausend Arbeitsstunden verteilt und viel Geld gespart. Das ist eine Aufwertung der Infrastruktur, die unseren Verein auf normalem Wege aus finanziellen Gründen schlicht unmöglich wäre. Das(Solidarität und Gemeinschaft) ist, so finde ich, eine ganz zentrale Aufgabe von Kinder- und Jugendarbeit und auf dieser soll auch im kommender Jahr unter anderem mein Fokus liegen. Dafür bietet die Stelle bei „Bun Venit“ hervorragende Vorrausset zungen. Durch den kreativen Freiraum kann ich auf meine Art verschiedene Kinder und verschiedene Altersgruppen mit verschiedenen Angeboten ansprechen.